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Science Fiction Jahr 2004

Im Vergleich zum Vorjahr hat man das äußere Erscheinungsbild noch einmal leicht verändert und den Umfang sogar aufgestockt. Das bedeutet wohl, dass die Zeit, da man bei Heyne darüber nachdenkt, diesen Band nicht mehr Jahr für Jahr herauszubringen, beendet ist. Und das ist gut so! Diesmal fand ich die Essayzusammenstellung und den Inhalt der einzelnen Beiträge noch gelungener als beim letzten Mal! Irgendwie kommt wieder richtig Schwung in die Sache - auch in die SF? - und was sich über die Jahre an Routine eingeschlichen hat, fliegt nun über den Haufen. Ein paar Dinge, die mir überflüssig erscheinen, sind allerdings beibehalten worden, so z.B. die Filmrezis zu TV-Aufführungen aller Filme, die halt so im Beobachtungszeitraum im TV gelaufen sind. Auch diesmal gibt es wieder ein zentrales Thema: Space Opera. Kaum zu glauben, dass es dazu noch so viel zu schreiben gibt? Scheinbar gerade jetzt! Dieses Subgenre hat Konjunktur! Um ehrlich zu sein, habe ich das selbst nicht unbedingt so mitbekommen, weil dieses Fach in der Phantastik mich nicht gar so sehr berührt - dachte ich zumindest, aber Autoren, die eindeutig zur neuen Renaissance der Space Opera beitrugen, gehören auch zu meinen Lieblingen: Dan Simmons, Iain Banks.

David G. Hartwell stellt in seinem Essay einen Überblick über die Entwicklung der Space Opera vor, der genau dies zum Thema macht: Die Entwicklung eines Trivial Topos zur Hochliteratur. War der Begriff "Space Opera" in den 30er bis 50er Jahren eindeutig negativ besetzt = Schrott-SF; der sich an den sogenannten Pferdeopern, billigen Westernfilmchen für die Vorstadtkinos, orientierte und eher abschreckend wirken sollte, so wurde derselbe Begriff ab den 80er Jahren völlig neu definiert. Jetzt ist sie ein gut und unterhaltsam erzähltes, literarisches Weltraumabenteuer mit großen kommerziellen Erfolgschancen. Diese Grundgedanken verfolgt und belegt der Essayist sehr ausführlich, darüber hinaus kommen kaum wesentliche Gedanken zum Ausdruck.

John Clute, bekannter SF-Theoretiker, und nun auch selber, wenn auch ziemlich umstrittener Autor eigener Space Operas, nagelt den Begriff am 2. Wort fest: Oper. Irgendwie konstruiert Clute sein Thema. Zunächst fragt er rhetorisch, ob SF Literatur für Idioten sei, kommt dann aber in Beantwortung dieser Frage zu der Behauptung, die Space Opera erschließe den Blick auf Gesamtzusammenhänge. M. M. nach kann man dies insgesamt für die Phantastik formulieren, dies ist nicht spezifisch für die Space Opera. Ansonsten zitiert er sich selbst und erwähnt fleißig, was er schon so alles Kluges zusammengeschrieben hat. Und am Ende des Artikels erklärt er auch noch seinen eigenen (zumindest im deutschen SF-Fandom konträr aufgefassten und bewerteten) Roman, und nennt ihn selbst "albern wie ein Kinderlied", was sich teilweise mit dem deckt, was ich über den Roman gelesen/gehört hatte ... Thomas M. Disch holt ziemlich weit aus: Wie die SF insgesamt hat natürlich auch die Weltraumgeschichte ihre großen Vorbilder: Verne und Wells. Nun ja, das ist gut zum Üben und Wiederholen.

Der lange Artikel zu Perry Rhodan von Hartmut Kasper war für mich recht aufschlussreich. Bin kein PR-Leser, wenn man mal den zweifelhaften Genuss von drei Heften, 1987 teuer in einem Prager Antiquariat erworben, vernachlässigt. Kasper erklärt sehr genau, woher der Begriff Space Opera stammt, nämlich von besagten Pferdeopern, in denen wohl tatsächlich auch gesungen wurde, wenn auch keine Opernarien, so doch halt Cowboy- und Westernliedchen, und sowohl Handlung als auch Darsteller ziemlich opernhaft (oder eher operettenhaft?) rüberkamen. Kasper meint nun, dass die Erfinder von Perry Rhodan sich direkt von solchen Pferdeopern in den 50ern haben anstecken und inspirieren lassen, da diese wohl auch in den bundesdeutschen Nachkriegskinos liefen. Für diese Idee findet der Autor auch Belege, aber mir erscheinen diese eher wie die tatsächlich gefundenen Nadeln im Heuhaufen. Kann man dagegen nicht eher davon ausgehen, dass Clark Darlton US-amerikanische Space Operas / SF-Hefte (Leihbücher etc.) gelesen hat und darauf kam, so was auch selbst zu inszenieren?

Und nun kommen wir zu den Vertretern der neuen, großartigen, anspruchsvolleren Space Opera. Den Eröffnungsakt gibt Peter F. Hamilton. Neben einer auf alle Fälle gerechtfertigten Würdigung seines Werkes, will die Autorin des Beitrages, Usch Kiausch, unbedingt auf die gesellschaftlich-politisch-philosophische Brisanz, bzw. Dimension des Werkes eingehen, stößt sich dabei aber am Autor ein klein wenig die Hörner ab, der solcherlei Ambitionen eher negiert, außer insofern, als dass wohl irgendwie niemand um das herum kommt, was ihn tagtäglich umgibt. Jedenfalls kann über diese Schiene die Faszination der Bücher Hamiltons auf seine Leser nicht erklärt werden. Leider hätte dieser Artikel nicht so recht ein Interesse bei mir erweckt, aber es gibt ja unseren SF-Club mit Stammtisch, wo ich ganz dolle auf Hamilton gestoßen wurde und ihn nun auch mit wachsender Begeisterung lese.